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Mission Phoenix - Band 4: Ein Kopfgeld für Melori


Mission Phoenix - Band 4: Ein Kopfgeld für Melori


Mission Phoenix, Band 4 1. eBook-Auflage

von: Mara Laue

CHF 3.00

Verlag: VSS-Verlag
Format: PDF
Veröffentl.: 02.04.2017
ISBN/EAN: 9783961270392
Sprache: deutsch
Anzahl Seiten: 130

Dieses eBook erhalten Sie ohne Kopierschutz.

Beschreibungen

Captain Melori gelingt es, zu den nomadischen Ruaneh Kontakt aufzunehmen. Sie bietet ihnen eine Allianz im Kampf gegen die Piratengilde an. Aber noch bevor die Ruaneh eine Entscheidung über das Angebot getroffen haben, werden Melori und ihre Begleiter bei einem persönlichen Treffen mit einem Ruaneh-Kommandanten entführt. Für die PHOENIX beginnt eine fieberhafte Suche nach den Entführern – doch es gibt keinen Anhaltspunkt, wohin die Entführten verschleppt wurden. Aber alles deutet darauf hin, dass sie den Piraten ausgeliefert werden sollen, denn die haben ein Kopfgeld auf Melori ausgesetzt . . .
TRF-Forschungsschiff PHOENIX 1
12. Februar 2546 Terra-Zeit – 24.08.350 ISA-Zeit
10.02 Uhr ISA-Bordzeit

Captain Melori betrat ihren Bereitschaftsraum. Ihre Schicht im Kommandosessel war für heute beendet. Sie hatte das Kommando an Dritter Offizier Shakti Janssen übergeben. Das Ende ihrer Schicht bedeutete natürlich nicht das Ende der täglichen Arbeit, besonders im Hinblick darauf, dass jede der vier Schichten, in die der zwanzigstündige Bordtag nach ISA-Zeit eingeteilt war, nur fünf Stunden betrug. Und als Kommandantin hatte sie sowieso mehr Arbeit als jeder andere an Bord und ständig Bereitschaft.
Es gab Besprechungen abzuhalten, die nicht nur die Aufgabe der PHOENIX als ultrageheimes Spionageschiff des Interstellaren Nachrichtendienstes betrafen. Der Alltag an Bord musste geregelt werden und die erforderlichen Routinen mussten sich erst noch richtig einspielen. Auch wenn die Besatzung seit Monaten zusammenarbeitete, würde es noch eine Weile dauern, bis sich alle, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als eine „Familie“ betrachteten, die bedingungslos für jeden von ihnen einstand. Sogar für Crewmitglieder, für die der Einzelne keine persönliche Sympathie hegte.
Als Kommandantin musste Melori auch in der Freizeit Präsenz bei der Mannschaft zeigen, um den Leuten das Gefühl zu geben, dass ihr Captain eine von ihnen war und jederzeit für jeden ansprechbar. Ein Dauereinsatz rund um die Uhr. Das machte ihr jedoch nichts aus, denn sie hatte endlich den Job, von dem sie sich sicher war, dass sie ihn bis ans Ende ihres Berufslebens oder ihres Lebens behalten würde. Den Job, nach dem sie all die Jahre zuvor gesucht hatte. Seitdem fühlte sie sich beruflich als das glücklichste Wesen des Universums. Obwohl die Arbeit gefährlich und es mehr als wahrscheinlich war, dass sie das Pensionsalter niemals erreichen würde. Sei es drum! Jeder Tag war ein guter Tag, um Dämonen ins Gesicht zu spucken, wie das alte frelsische Sprichwort lautete.
Melori nahm an ihrem Arbeitstisch Platz und schaltete das Kom-Gerät ein. Sie aktivierte eine verschlüsselte Leitung, die sie mit Erster Admiral Rhan Kharmin, dem Oberbefehlshaber der IsteP verband. Mit einem nur ihr und Rhan bekannten Code loggte sie sich in die Übertragung ein. Ein Lichtsignal auf ihrem Kom-Bildschirm zeigte, dass Rhan den Anruf empfing und gesprächsbereit war. Sekunden später erschien das von babyfaustgroßen roten Augen dominierte Gesicht des Yobaners auf dem Schirm, nachdem er die Übertragung mit seinem persönlichen Code freigeschaltet hatte.
„Captain Melori, hekah!“, grüßte er. Sein grün und goldfarben gemusterter Federkamm fächerte kurz auf, ein Zeichen von Freude.
Melori lächelte, denn auch sie freute sich immer, ihren Ex-Geliebten und nach wie vor guten Freund zu sehen. Allerdings trennten sie Berufliches und Privates sehr strikt. „Hekah, Admiral. Ich brauche wieder einmal Ihre Hilfe.“
Er machte eine zustimmende Geste. „Ich habe Ihren offiziellen Bericht zu den Ereignissen bei Fraanish bereits gelesen. Wie es aussieht, hat Ihr Schiff eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die ISA vorläufig abgewendet.“
„Sie sagen es, Admiral: vorläufig. Wir wissen nicht, ob und wenn ja wie viele Aruniten es noch gibt oder wo sie sind. Die ISA expandiert, und nicht nur Forschungsschiffe verlassen immer häufiger ihre Grenzen. Eine weitere Begegnung mit Aruniten ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Zeit. Vielleicht eine Frage sehr langer Zeit im Bereich von Jahrhunderten, aber wir wissen von den Fraanisheh, dass es definitiv mehr von ihnen gibt oder einmal gegeben hat. Sie könnten außerdem eine Spur zu den Eldereh sein.“
Die Eldereh, eine unbekannte Rasse von immensem technischen Wissen, hatten an manchen Orten in der Galaxis ihre Spuren hinterlassen, bevor sie aus unerfindlichen Gründen verschwunden waren.
„Das halte ich für sehr wahrscheinlich“, stimmte Rhan zu. „Wir haben jedoch andere Prioritäten. Wie kann ich Ihnen helfen, Captain?“
„Um unsere Aufgabe, der Piratengilde das Handwerk zu legen, möglichst effektiv erfüllen zu können, brauchen wir ein Informationsnetz, von dem möglichst wenig Leute etwas wissen. Das heißt, wir können die IsteND-Ressourcen nicht nutzen und auch nicht die der IsteP.“
Auf die Melori durch ihren Status als Kommandantin eines IsteND-Schiffes mit einem individuellen Codeschlüssel jederzeit Zugriff hatte. Diese Zugriffe wurden jedoch aufgezeichnet. Zwar wurde die Identität der die Informationen abrufenden Person nicht aufgezeichnet, aber jedes hochrangige IsteND- und IsteP-Mitglied konnte die herausfinden. Und solange nicht feststand, in welchen Abteilungen die Verräter saßen, die mit den Piraten kollaborierten, durfte sie diese Quelle nicht nutzen. Oder nur über Rhan Kharmin. Doch wenn sie ihn zu oft kontaktierte, würde das früher oder später jemandem auffallen, unter Umständen der falschen Person. Außerdem wussten nur sehr wenige handverlesene IsteND-Mitglieder überhaupt, dass die PHOENIX nur vordergründig ein terranisches Forschungsschiff war und in Wahrheit bis zum letzten Crewman aus IsteND-Agenten bestand. Und von einigen Besonderheiten in der Schiffskonstruktion wusste außer Rhan Kharmin und der PHOENIX-Crew niemand.
„Wie Sie wissen, tarnen sich die Piraten manchmal als Ruaneh“, fuhr Melori fort. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass das den Rechtschaffenen unter den Ruaneh nicht gefallen dürfte. Deshalb wollen wir versuchen, mit einigen von denen in Kontakt zu treten, um sie dazu zu gewinnen, uns in unserem Kampf gegen die Piraten zu unterstützen.“
Rhan überdachte das. „Eine an sich gute Idee. Aber ich bezweifle, dass sie funktionieren wird. Die Ruaneh sind sehr eigen und eine noch ‚geschlossenere’ Gesellschaft als die Piraten. Sie werden kaum mit Ihnen reden, geschweige denn, Sie unterstützen.“
Melori nickte. „Das glaube ich auch. Aber ich will nichts unversucht lassen. Die Ruaneh verfügen mit Sicherheit über ein gut funktionierendes Informationsnetz. Wir könnten uns unser eigenes aufbauen, aber es würde zu lange dauern, bis wir darin eine effektive Kommunikationsstruktur etabliert hätten. Die Ruaneh sind gegenwärtig unsere einzige Option. Zu dem Zweck muss ich aber wissen, welche Ruaneh vertrauenswürdig sind. Ich weiß, dass die IsteP über entsprechende Informationen verfügt.“
Rhan machte eine zustimmende Geste. „Die Sie mit Ihren IsteND-Befugnissen ebenfalls abrufen könnten.“
Melori lächelte. „Ich weiß. Aber das hinterlässt Spuren, die zu mir führen und die Mission gefährden könnten.“ Sie blickte Rhan ernst an. „Admiral, ich denke, Ihnen ist bewusst, dass es Möglichkeiten gibt, die telepathische Bewusstseinssondierung zu überstehen, selbst wenn man Geheimnisse hat, die der prüfende Telepath auf keinen Fall erfahren darf.“
Rhan schloss für einen Moment die Augen, ein Ausdruck von Erleichterung. „Dessen war ich mir sicher, als ich erfahren habe, dass Ihre Crew die überstanden hat, ohne dass der IsteND von den von ihm unautorisiert in die PHOENIX eingebauten Extras erfahren hat. Ich freue mich, dass Sie mir immer noch genug vertrauen, um mir diese Information zu geben.“
„Admiral, es gibt kein Wesen, dem ich mehr vertraue als Ihnen.“
Für eine Weile sahen sie einander schweigend an und spürten die alte Vertrautheit und innige Verbundenheit, die auch fast drei Jahre nach ihrem offiziellen Ende noch existierte.
Bevor die Situation vom Beruflichen ins Persönliche abgleiten konnte und damit eine bisher strikt gewahrte Grenze überschritt, brachte Rhan das Gespräch wieder auf das Thema.
„Darf ich demnach hoffen, Captain, dass Sie mir Ihr Geheimnis verraten?“
„Es gibt in nahezu allen ISA-Völkern und auch bei den Nicht-ISA-Völkern Telepathen. Einige von ihnen besitzen die Fähigkeit, eine hocheffektive Form von Gedankenblockierung im Geist anderer Wesen zu etablieren, der auf telepathische Impulse reagiert. Ich weiß nicht, wie genau das funktioniert, denn ich bin keine Telepathin, aber mir wurde erklärt, dass dieser Gedankenblock mit einer automatischen Versiegelung eines Schiffes bei Eindringlingsalarm verglichen werden kann. Sobald ein ‚Eindringen’ registriert wird, aktiviert das den Block. Der ist allerdings ausschließlich an bestimmte Bewusstseinsinhalte gebunden und versiegelt nur diese. Und das offenbar so subtil, dass er bei einer herkömmlichen Bewusstseinssondierung nicht bemerkt wird.“
„Das ist interessant“, meinte Rhan. „Und gefährlich.“

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