Ein Schlüssel zu meinem Herzen

Lynda Lys and Eliza Simon

Published by BEKKERpublishing, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Ein Schlüssel zu meinem Herzen

Copyright

Danksagung

Es begann im Café Madleen | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

4.

5.

Klippe der wahren Liebe | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

4.

Notlandung ins Glück | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

4.

5.

Zweite Chance im Fahrstuhl | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

Steh zu ihm und bitte um Verzeihung | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

4.

5.

Eine neue Liebe auf Sylt | von Lynda Lys & Eliza Simon | 1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

Also By Lynda Lys

Also By Eliza Simon

About the Publisher

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Ein Schlüssel zu meinem Herzen

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6 romantische Liebesgeschichten

von Lynda Lys und Eliza Simon

Der Umfang dieses Buchs entspricht 139 Taschenbuchseiten.

Ob auf Sylt oder in Berlin, ob in einer Anwaltskanzlei oder im Urlaub, stets hält das Liebesglück ungeahnte Überraschungen bereit.

Lynda Lys und Eliza Simon legen hier ihre ersten sechs romantischen Liebesgeschichten vor.

Das Buch enthält folgende sechs Geschichten:

Es begann im Café Madleen

Klippe der wahren Liebe

Notlandung ins Glück

Zweite Chance im Fahrstuhl

Steh zu ihm und bitte um Verzeihung

Eine neue Liebe auf Sylt

––––––––

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Es begann im Café Madleen

Ein junger Mann erweist sich als Retter in höchster Not für eine schöne Unbekannte. Glück und Leid liegt oft nah beieinander, auch wenn es Carina nicht gleich erkennt. Eine kleine nette Liebesgeschichte mit einer Prise Sylter Flair.

Klippe der wahren Liebe

Gleich am ersten Urlaubstag lernt Ines einen tollen Mann kennen. Nach anfänglichem Misstrauen lässt sie sich von ihm die Schönheiten der Umgebung zeigen. Er führt sie zu der berühmten „Klippe der wahren Liebe“. Denn es heißt, was man sich hier verspricht, kann niemals zerstört werden ...allerdings nur, wenn es wirklich ernst gemeint ist.

Notlandung ins Glück

Sarah glaubt an die große Liebe und ist fest davon überzeugt, am Ziel ihrer Träume angekommen zu sein. Doch sie wird bitter enttäuscht, als Benjamin eine Nachricht sendet, die ihr den Boden unter den Füßen wegzieht. Ein Anruf bei ihm soll Gewissheit bringen, doch es meldet sich eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung.

Sie denkt nur noch an Flucht.

Zweite Chance im Fahrstuhl

Obwohl der selbstherrliche Oliver eine kalte Dusche verdient, bemüht Daniela sich, nicht allzu abweisend zu wirken. Schließlich ist sie nicht unschuldig daran, dass er sich Hoffnungen macht. Doch wie wird sie den Kerl jetzt wieder los? Gar nicht so einfach, hartnäckig, wie Oliver ist. Letztendlich bleibt Daniela nichts anderes übrig, als zu lügen. Und plötzlich hat sie die Bescherung...

Steh zu ihm und bitte um Verzeihung

Auch diesmal ist ein großer Blumenstrauß für Tabea abgegeben worden. Im Gegensatz zu sonst freut sich die junge Frau nicht darüber. Sie weiß, was diese Geste von Dominik bedeutet: Er will sein Gewissen erleichtern, weil er sie wieder einmal versetzt hat. Jetzt ist Schluss! Denn so hat sich Tabea ihre Beziehung nicht vorgestellt ...

Eine neue Liebe auf Sylt

Pamela hat ihr Leben satt. Sie zieht mit ihrem kleinen Sohn von Berlin nach Sylt um dort neu anzufangen. Der kleine Lukas lernt dort den großen Daniel kennen und ist begeistert. Ihn hätte er gern zum Vater. Doch als Daniel sich in Lukas Mutter verliebt, gibt es Probleme.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Danksagung

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Wir danken Herrn H-W. Wiena für die großartige Unterstützung

Lynda Lys und Eliza Simon

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Es begann im Café Madleen

von Lynda Lys & Eliza Simon

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1.

Enno Petersen klappte seine Augen auf und starrte gegen die Decke. Er blieb ganz still liegen und hörte in sich hinein. Ging es ihm gut? Machen heute seine müden alten Knochen keine Mätzchen und verhielten sich ruhig? Er streckte vorsichtig die Arme nach oben und rekelte sich ganz sacht und langsam im Bett, drückte seine alten, faltigen Knie durch, – doch nichts geschah. Keine Schmerzen, keine Knirschgeräusche im Gebälk.

Heute würde wohl wieder ein guter Tag werden, dachte Enno. Er schob seine Bettdecke gemächlich zur Seite, schwang seine Beine über die Bettkante und blieb vorerst darauf sitzen. Er streckte seinen Rücken, doch auch hier war nichts zu spüren. Mit einem Schwung, sofern man bei einem sechsundsiebzigjährigen alten Mann mit Rheumabeschwerden von schwungvoll sprechen konnte, stand er auf, hangelte erst mit dem rechten Fuß und anschließend mit dem linken Fuß nach seinen Pantoffeln und schlüpfte hinein.

Er schlurfte ins Badezimmer und sah sein faltiges Gesicht, welches von Wind und Wetter tief gezeichnet war, und streckte seinem Spiegelbild die Zunge heraus. Er putze sich seine noch verbliebenen Zähne, wusch sich, kämmte sein schütteres graues Haar und schlurfte zurück ins Schlafzimmer.

Er öffnete weit das Fenster, stieß die dunkelgrünen Läden zur Seite und ließ die frische, salzige Luft herein, um den Mief aus der letzten Nacht zu vertreiben. Die Sonne strahlte bereits herunter, kein Lüftchen regte sich und er hörte von Weitem das sachte Rauschen des Meeres.

Er lebte schon immer auf Sylt, ging als kleiner Steppke hier zur Schule, machte seine Lehre zum Bootsbauer und lernte seine Frau Frauke auch hier kennen. Mit ihr hatte er zwei Kinder – Bentje und Fiete.

Zu seinem Leidwesen hatte der liebe Herrgott seine Frau vor zwei Jahren zu sich gerufen.

Der Krebs überfiel seine geliebte Frauke wie ein wildes Tier und fraß sie innerlich auf. Frauke, die liebste Ehefrau, Mutter und Großmutter der Welt. Sie hatte sich immer gesund ernährt, nie getrunken oder geraucht, war ein lebenslustiger und liebenswerter Mensch gewesen.

Sie hatte immer ein offenes Ohr – half wo sie nur konnte. Man schätzte sie sehr in der Nachbarschaft und es war für alle unfassbar, dass sie mit nur zweiundsiebzig Jahren plötzlich verstarb.

Für Enno war es seitdem eine sehr schwere Zeit. Er stand plötzlich ganz alleine da, ohne Frau und ohne Kinder.

Bentje und Fiete verließen bereits in jungen Jahren die Insel, um auf dem Festland ihr Arbeits- und Lebensglück zu finden. Bentje zog nach Flensburg, um dort Lehramt zu studieren. Nach dem Studium lernte sie an ihrer Grundschule den Lehrer Jens Hansen kennen, den sie zwei Jahre später auch heiratete. Ein Jahr später erblickte das Enkelkind von Frauke und Enno das Licht der Welt.

Carina war ein süßer Fratz und ihre Großeltern liebten sie über alles. Obwohl Bentje und Jens in Flensburg lebten, ließen sie Oma und Opa am Leben von Carina teilhaben.

Sie besuchten sie so oft es ging und als Carina größer wurde, verbrachte sie zum Teil ihre Ferien alleine bei Enno und Frauke. Carina liebte ihre Großeltern und war gerne bei ihnen.

Opa Enno erzählte immer so spannende Geschichten aus seiner Vergangenheit und Oma war die tollste Oma, die es gab.

Carina kochte und buk mit ihr, lernte bei Oma im Meer schwimmen und erfuhr viele Dinge über das Gärtnern. Oma Frauke hatte eigens für Carina ein Beet im Garten angelegt, in dem sie Obst, Gemüse und Kräuter pflanzte.

Fiete verschlug es während seines Studiums nach Hamburg, wo er noch heute mit seiner Verlobten Patricia lebt und arbeitet.

Enno hatte einen sehr guten Kontakt zu seinen Kindern.

Nach dem Tod ihrer Mutter waren sie die erste Zeit rund um die Uhr bei ihm gewesen. Bentje hatte zu diesem Zeitpunkt Sommerferien und war somit in der Lage, fast sechs Wochen lang bei ihm zu sein.

Fiete nahm sich zwei Wochen Urlaub und war seinem Vater, der in tiefster Trauer war, eine große Hilfe. Sie kümmerten sich um die Beerdigung und sorgten dafür, dass Mutti würdevoll unter die Erde kam.

Für die kleine Carina, die mittlerweile zu einer jungen Frau herangewachsen war, brach eine Welt zusammen. Ihre heiß geliebte Oma war tot.

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2.

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Enno trabte in die Küche und schmiss die Kaffeemaschine an. So ein neumodisches Ding, in der man eine sogenannte Kapsel hineintat und auf einen Knopf drücken musste. Die Maschine blubberte, zischte und Sekunden später lief die braune Flüssigkeit über die Arbeitsplatte. Enno schlug sich vor die Stirn und fluchte laut: „Mist, hab schon wieder vergessen eine Tasse unter die Höllenmaschine zu stellen.“ Er starrte auf den braunen kleinen See und beobachtete das Rinnsal, das sich über die Arbeitsfläche schlängelte. Tropfen für Tropfen platschten sie herunter und vergrößerten die Lache auf dem Fußboden.

Er drehte sich um, ging zur Spüle und nahm einen Lappen zur Hand.

„Ich hasse dieses Ding“, murmelte er vor sich hin als er die Sauerei von der Arbeitsplatte wegwischte. Er schlurfte zurück, spülte den Lappen aus und wischte anschließend die Pfütze vom Boden auf.

Er stöhnte und ächzte dabei ziemlich geräuschvoll, denn das Bücken fiel ihn ziemlich schwer. „Statt Fiete mir eine richtige Kaffeemaschine vorbeibringt, aber nein, es muss ja so ein modernes Yuppie-Ding sein. Plastik rein, – Kaffee raus“, maulte Enno laut vor sich hin.

Frauke hatte immer frischen Kaffee gebrüht, so nach klassischer Art. Frisch gemahlen Kaffee in eine von Frau Melittas guten Tüten und aufgebrühtes Wasser aus dem Wasserkessel obendrauf, – mhm, wie lecker – ,dachte Enno.

Aber seit Frauke nicht mehr da war, gab es auch solch einen Kaffee nicht mehr. Ihm selbst war es zu aufwendig, so seinen Kaffee zu kochen, also musste eine Maschine her.

Enno schob die Gedanken zur Seite und öffnete den Küchenschrank, um sich eine neue Kapsel herauszunehmen. Er nahm die Schachtel in die Hand und schüttelte sie. Leer! Enno runzelte die Stirn. Hab ich wirklich vergessen neue zu kaufen? Er zuckte mit den Schultern, ging zum Kühlschrank und nahm sich einen Fruchtsaft heraus.

Frisches Brot war auch nicht mehr vorhanden, nur noch ein alter Kanten lag einsam und verlassen im Brotkasten.

Enno verließ eine halbe Stunde später das Haus, um einkaufen zu gehen. Er trat aus der Haustür und blieb auf der Schwelle stehen. Sein Blick wanderte durch den Vorgarten und er erschrak. Wie es hier aussieht, dachte er.

Der Rasen wucherte vor sich hin und glich eher einer Wildwiese. Enno hatte längere Zeit keinen Rasenmäher angefasst, kleine Gänseblümchen und Löwenzahn vereinten sich mit den Grashalmen. Die Büsche, die ringsherum um den weißen Gartenzaun gepflanzt waren, sahen auch so aus, als ob sie eine ordentliche Kanne voll Wasser benötigten.

Enno nahm sich ganz fest vor, nach dem Einkaufen den Garten wieder auf Vordermann zu bringen. Er schloss die Haustür ab und machte sich auf den Weg zur Innenstadt.

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3.

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Carina kam jeden Morgen pünktlich um 8.00 Uhr ins Büro. Sie war Buchhalterin in einem kleinen Bauunternehmen.

Mit ihrer Kollegin Tina, die ihr im Büro gegenübersaß, plauderte sie in den Pausen auch gern über private Dinge. Tina war verheiratet und hatte ihr in der Pause verraten, dass sie schwanger ist. Das war ja ein freudiges Ereignis und die Mittagspause wurde natürlich gleich etwas verlängert.

Nach dem Feierabend fuhr sie ganz in Gedanken versunken nach Hause. Sie konzentrierte sich überhaupt nicht auf den Verkehr und hatte Glück, dass ein von rechts kommender Lkw gerade noch bremsen konnte. Auch sie trat aus reinem Reflex auf die Bremse und ihr Wagen kam zum Stehen.

Der Fahrer holte sie brutal aus ihren Träumereien. Er schrie aus seinem Fenster: „Du hast wohl Tomaten auf den Augen, hast du nicht alle beieinander, sag mal, merkst du eigentlich noch etwas?“ Er tippte sich mit dem Zeigefinger gegen die Schläfe und schmiss Carina einen erbosten Blick zu. Es waren die typischen Autofahrersprüche die auf sie einprasselten.

Vor Schreck zitterte Carina am ganzen Körper, sie war kreidebleich und konnte nichts sagen. Hinter ihr hupte ein anderer Autofahrer und fuchtelte wild mit seinen Armen herum. Sie startete den Motor, legte den ersten Gang ein und fuhr schnell weiter.

Sie zwang sich jetzt besser aufzupassen und ihre Gedanken, vielleicht ein Baby mit Björn zu bekommen, nahmen so ein schnelles Ende.

Aber sie waren noch nicht aus ihrem Kopf.

Zu Hause angekommen fing sie an, das Abendbrot vorzubereiten. Ihre Knie waren noch immer weich von diesem Erlebnis auf der Kreuzung.

Sie schaute zur Uhr und stellte fest, dass Björn eine Stunde später von der Arbeit nach Hause kam.

Sie deckte den Tisch heute besonders schön, stellte eine Kerze auf den Tisch, kochte Kamillentee, – denn den trank Björn besonders gern.

Sie hatte den Wunsch, einen harmonischen Abend mit ihm zu verbringen. Er würde sie bestimmt in den Arm nehmen, sie trösten und ihr sagen, dass sie keine Tomaten auf den Augen hatte und auch noch alles beieinander hatte.

Dann hörte sie ihn auf der Treppe. Sie lief schnell zur Tür und öffnete sie. Voller Erwartung streckte sie leicht ihren Mund in seine Richtung. Was war los? Er schob sich schnell an ihr vorbei, genauso schnell streifte er ihren Mund, – das war aber eine kühle Begrüßung, dachte sie.

Björn hing seine blaue Jacke an die Garderobe und ohne Carina zu beachten, ging er ins Bad, um sich die Hände zu waschen. Er kam in die Küche, schaute verdutzt auf den gedeckten Tisch und sagte verwundert: „Hab ich etwas vergessen oder warum ist hier so viel Firlefanz auf dem Tisch?“

Carina überhörte geflissentlich diese dumme Bemerkung und zündete die Kerze an. Jetzt schon gezwungenermaßen sagte sie ruhig: „Nun setz dich erst mal, entspann dich ein wenig, du hast bestimmt einen schweren Tag hinter dir“, entgegnete sie und unterdrückte ihre eigenen Sorgen, die sie mit ihm teilen wollte.

„Ich habe dir deinen Lieblingstee gekocht, der wirkt beruhigend“, schob sie leicht spitz hinterher. „Oder möchtest du erzählen, was dich bedrückt?“

Er sah sie an, nahm sich wortlos eine Scheibe Brot, bestrich sie mit Leberwurst und als er die Hälfte verdrückt hatte, antwortete er etwas ruppig: „Mich bedrückt nichts, wie kommst du darauf? Hast du irgendwelche Probleme, dass du mich so bedrängst.“

Ja hatte sie, den Gedanken an ein Baby konnte sie einfach nicht aus ihrem Kopf streichen. Sollte sie jetzt mit ihm darüber reden? Würde das vielleicht ihrer Beziehung ein wenig auf die Sprünge helfen?

„Ja, ich hatte heute beinahe einen Autounfall, ich war so in Gedanken versunken ...“ In kurzen Sätzen berichtete sie ihm was ihr passiert war. Er unterbrach sie barsch. „Was kann einen denn so beschäftigen, dass man einen Lkw von rechts kommend übersieht?“, fragte er entsetzt.

Jetzt muss es raus, dachte sie! „Ich habe darüber nachgedacht, dass wir ja auch schon zweieinhalb Jahre zusammen sind und wie es wohl wäre, wenn wir ein Baby bekommen oder erst einmal an eine Familienplanung denken?“, sagte Carina schüchtern.

Björn legte den Rest seiner Tomate auf den Teller sah sie entsetzt an.

„Sag mal merkst du eigentlich noch etwas?“, sagte er etwas lauter.

„Aber, aber ...“ mehr konnte Carina nicht sagen. Diesen Spruch hatte sie heute schon einmal gehört.

„Unsere Beziehung ist gerade auf dem Tiefpunkt, ich kann es nicht fassen. Da redest du von einem Kind?“, schrie er sie an.

Carina schossen die Tränen in die Augen. Sie sprang auf, ging ins Schlafzimmer und warf sich aufs Bett. Sie weinte, bis keine Träne mehr kam.

Björn setzte sich ins Wohnzimmer und machte den Fernseher an, aber er starrte nur an die Decke. Beide blieben in ihren Zimmern und sprachen kein Ton mehr miteinander. Björn holte sich schweigend eine Decke aus dem Schlafzimmer und schlief gegen drei Uhr morgens auf dem Sofa ein.

Carina schlich frühmorgens leise ins Bad, um Björn nicht zu wecken, sie wollte auf gar keinen Fall jetzt mit ihm reden, sie war zu enttäuscht.

In der Firma angekommen, täuschte sie eine leichte Magenverstimmung vor, damit sie heute nicht zur Pause musste. Sie wollte nicht über den Streit mit Björn reden.

Er hatte ja ein klein wenig recht, eine Beziehung mit einem Kind zu retten ist bestimmt der falsche Weg. Aber darüber konnte man in Ruhe reden und nicht so bösartig herumbrüllen wie er gestern. Sie hatte ja keine Ahnung, wie schlimm es aus seiner Sicht um ihre Beziehung stand, dass es zwischen ihnen beiden nicht mehr so richtig lief, hatte auch sie bemerkt.

Auf dem Nachhauseweg steuerte sie einen Supermarkt an, um einkaufen, denn sie hatte am gestrigen Abend alles, was auf dem Tisch war, vor Wut in den Mülleimer geworfen.

Zu Hause angekommen schaute sie wie immer in den Briefkasten. Die eingeworfene Werbung schmiss sie in den bereitstehen Mülleimer, den die Hausmeisterin im Flur gestellt hatte. Übrig blieb ein Brief ohne Anschrift und ohne einen Hinweis auf seine Herkunft. Sie schob ihn in ihre Handtasche, – die Tüten vom Einkauf wollte sie nicht auf der Erde abstellen und trabte schnell mit einem komischen Gefühl die Treppen hinauf. Sie suchte ihren Schlüssel in der Tasche, der mal wieder ganz unten vergraben war und huschte in die Wohnung.

Die Einkaufstaschen stellte sie noch im Flur ab, schmiss ihre Handtasche auf die Garderobe, nahm den Brief und riss den ihn auf.

Sie erkannte sogleich die Handschrift von Björn. Ohne die Zeilen zu lesen, durchfuhr sie ein heißer Stich in der Bauchgegend und ihre Tränen flossen augenblicklich!

Keine Ansprache, der Text begann sofort!

Heute Nacht habe ich beschlossen, ein neues Leben zu beginnen.

Es macht keinen Sinn mehr bei dir zu bleiben.

Ich empfinde nichts mehr für dich, weder Liebe noch Hass, einfach nichts.

Seit längerer Zeit merke ich, dass ich mit Widerwillen nach Hause komme und deshalb beende ich unsere Beziehung.

Solche Abende wie der gestrige möchte ich nicht mehr erleben.

Meine persönlichen Sachen habe ich bereits mitgenommen. Über den Rest, der mir in dieser Wohnung noch gehört, können wir später entscheiden, wenn du dich beruhigt hast.

Ihre Tränen verhinderten, dass Sie diese schrecklichen Zeilen noch einmal lesen konnte. Sie verstand es nicht, – warum?

Ihr wurde schwindlig und sie setzte sich im Flur auf den Boden. Als es hell wurde, erwachte sie auf dem Sofa und konnte sich auch nicht mehr so richtig an die letzten Stunden erinnern.

Ein Blick in den Spiegel sagte ihr, dass sie, so wie sie aussah, nicht zur Arbeit gehen konnte. Ihr Gesicht war fürchterlich verquollen und für die Zahlen der Firma hatte sie heute auch keine Nerven.

Sie rief bei ihrer Kollegin Tina an und teilte ihr mit, dass es ihr heute noch nicht besser ging und sie zu Hause bleiben musste.

Die Tüten, die sie gestern im Flur hatte fallen lassen, lagen noch vor der Eingangstür. Sie trug sie in die Küche und verteilte alles in den Schränken. Carina kochte sich einen Kaffee und setzte sich in die Küche.

Zwei Stunden später saß sie noch immer auf dem Küchenstuhl und grübelte. Warum? Was hab ich falsch gemacht? Was könnte man ändern? Würde er wieder zurückkommen? Nein, sei ehrlich, das hast du doch auch schon gemerkt, dass es nicht mehr gestimmt hat mit deiner Beziehung, dachte sie.

Aber was sollte sie jetzt tun? Zu Tode betrübt und etwas ratlos ging sie zum Kühlschrank und nahm sich den Pudding heraus. Sie hatte die Hoffnung, sich so den Frust wegzufuttern, denn das machte sie des Öfteren, wenn sie Streit mit Björn hatte.

Carina rief ihre Mutter Bentje an. Sie brauchte dringend Trost und einen mütterlichen Ratschlag. Sie wählte ihre Nummer, doch sie hörte nur: „The person you have called is not available“

Das war zu viel, die Tränen übermannten sie wieder! Was sollte sie denn jetzt tun?

In ihrem Kopf schwirrte plötzlich Oma Frauke herum, ihre heiß geliebte Großmutter, die mit Opa Enno auf Sylt gelebt hatte. Die Tränen flossen noch mehr. Oh, wie sie ihre Oma vermisste, das spürte sie sehr oft – und heute ganz besonders. Oma hätte einen Rat gewusst, Oma hätte sie getröstet und sie mit ihren kräftigen Armen ordentlich fest an sich gedrückt, aber leider lebte Oma nicht mehr. Carinas Gedanken wanderten zu Opa Enno. Er würde ihren Kummer verstehen, bestimmt, denn er wusste, wie es ist, auf einen geliebten Menschen zu verzichten.

Sie wollte Opa nicht erschrecken, aber mit ihm zu reden wäre jetzt bestimmt Balsam für ihre geschundene Seele. Sie griff zum Telefon und rief ihren Großvater an.

„Opa, ich bin es, Carina. Wie geht es dir? “, fragte sie ihn mit erstickter Stimme.

„Carina, meine kleine Prinzessin. Mir geht es gut“, – was sollte er ihr auch erzählen. „Was machst du so, bist du nicht auf der Arbeit? Ist etwas passiert? Sehr ungewöhnlich, dass du mitten in der Woche an einem Vormittag anrufst. Hast du etwa deine Arbeit verloren?“

Carina verlor jetzt doch die Fassung und weinte so bitterlich, dass sie kein vernünftiges Wort heraus brachte.

„Carina mein Gott, was ist passiert? Bist du krank, hast du keine Arbeit mehr, ist etwas mit Björn?“, fragte er ganz besorgt.