Die Sklavin des Zauberers

 

 

Kathys gesamtes Weltbild bricht zusammen, als sie kurz nach ihrem Abitur von ihrem Stiefvater an Mädchenhändler verkauft wird. Nicht, dass sie Schläge und Ungerechtigkeit nicht kennen würde, aber dass Menschen in einer deutschen Großstadt verkauft würden, daran hätte sie nie geglaubt. Auf einem Markt wird sie für einen ungeheuren Preis versteigert und ihre Angst wächst. Wer ist ihr neuer Besitzer, was will er von ihr und wird sie je wieder freikommen? Doch wie sooft im Leben kommt alles anders, denn Jón ist nicht das Monster, das sie erwartet hat, sondern ein Zauberer, im wahrsten Sinne des Wortes ...

 

Alle Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder bereits verstorbenen Personen ist rein zufällig. Die Original Ausgabe erschienen im Juni 2014 bei Merlins Bookshop.

 

Copyright © 2014 BoFeWo B.V.

Alle Rechte liegen bei BoFeWo B.V.

Cover Illustration: © 2014 BofeWo.B.V.

ISBN-13: 978-3-945076-13-2

 

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist nur mit Zustimmung der BoFeWo B.V. zulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen sowie das Speichern und Verarbeiten in elektronischen Systemen.

Vorwort

 

 

Die Welt der Zauberei und Magie ist sehr faszinierend und so habe ich einen weiteren Versuch gewagt, Magie und BDSM zu vermischen.

 

Ich hoffe, dass es meinen Lesern gefällt, und lade alle ein, in diese magische Welt einzutauchen und für ein paar Stunden den Alltag zu vergessen.

 

Zum besseren Verständnis sollten meine Leser wissen, dass elskan das isländische Wort für Liebling oder Schatz ist.

 

Und jetzt wünsche ich allen viel Spaß bei „Der Sklavin des Zauberers“.

 

Liebe Grüße

 

Lisa Skydla

Widmung

 

 

Dieses Buch widme ich meinen Freunden Anil, Robert und Markus, die mich immer wieder auf tolle Ideen bringen. Die immer da sind, wenn man sie braucht und sich auch nicht davon jagen lassen, wenn ich mal wieder zickig bin oder Unmögliches verlange.

 

Jungs, ich danke euch, es ist toll, dass es euch gibt.

 

Eure Lisa Skydla

Verkauft

 

Verwirrt öffnete Kathy die Augen und erschrak, denn außer einem undurchdringlichen Schwarz sah sie nichts. Außerdem konnte sie sich im ersten Moment an nichts erinnern. Nur ihr Kopf schmerzte höllisch.

Als sie die Hand heben wollte, um die schmerzende Stelle zu berühren, stellte sie fest, dass ihre Hände mit etwas zusammengebunden waren, das sich wie Kabelbinder anfühlte. Ebenso hatte man ihre Beine gefesselt.

Leise stöhnend ließ sie sich zurücksinken, sie musste in einem Albtraum gefangen sein. Bestimmt würde sie gleich wieder aufwachen, doch auch nach einer gefühlten Ewigkeit passierte nichts dergleichen.

Mühsam setzte Kathy sich auf und versuchte erneut irgendetwas zu erkennen, allerdings war es schlichtweg zu dunkel. Außerdem fühlte der Boden sich kalt und feucht an, wobei es modrig roch. Gerne hätte sie sich über die zitternden Arme gerieben, aber die Fesseln hielten sie davon ab.

Langsam kam ihre Erinnerung wieder. Sie hatte gestern oder war es vorgestern gewesen, mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater in der Küche gesessen. Jetzt nach dem Abitur und vor dem Studium konnte sie sich diesen Luxus leisten, einfach mal mit den beiden zu reden. Obwohl sie mit ihrem Stiefvater noch nie so wirklich gut zurechtgekommen war.

Er sah sie die ganze Zeit schon so lauernd an, dann klingelte es und ihre Mutter zuckte zusammen. Jetzt verstand sie warum, gestern, war es ihr nicht klar gewesen. Ihr Stiefvater öffnete und kam mit zwei Männern herein, die alles andere als vertrauenswürdig aussahen. Im Gegenteil die beiden machten einen schmutzigen Eindruck und benahmen sich ziemlich ungehobelt. Kaum waren sie in der Küche, packten sie Kathy und ihre Mutter fing an zu weinen.

Einen Augenblick musste sie überlegen, doch dann fiel ihr wieder ein, dass niemand ihr geholfen hatte, als sie aus dem Raum gezerrt wurde. Die Männer hatten im Hof geparkt und stießen sie in den Innenraum eines großen Transporters. Voller Angst wollte Kathy schreien, aber als sie den Mund öffnete, schob ihr jemand einen Lappen zwischen die Lippen. Wie eine Besessene wehrte sie sich, wurde aber schnell von den beiden Männern überwältigt. Das Gesicht ihres Stiefvaters erschien, als man ihr einen Kinnhaken verpasste, dann brach sie ohnmächtig zusammen. Jetzt wusste sie, woher die rasenden Kopfschmerzen kamen.

Leise stöhnend tastete sie sich auf Knien vorwärts, bis sie an eine Wand kam. Hier lehnte sie sich mit dem Rücken an und hoffte, dass sich das alles bald aufklären würde. Es konnte doch nicht sein, dass man sie entführte und weder ihre Mutter noch ihr Stiefvater etwas unternahmen, um ihr zu helfen.

Andererseits hatte ihr Stiefvater diese Männer hereingelassen und sie zu ihr geführt. Verwirrt überlegte sie, ob sie vielleichte ein Detail übersehen hatte, oder bildete sie sich nur ein, das Gesicht ihres Vaters in dem Transporter gesehen zu haben?

Angestrengt ließ Kathy den gestrigen Tag noch einmal Revue passieren. Nur eine logische Erklärung konnte sie nicht finden. Es sah ganz so aus, als ob ihr Stiefvater sie diesen Männern ausgeliefert hätte. Aber wieso hatte ihre Mutter das zugelassen?

In ihre Überlegungen hinein hörte sie Schritte auf den Raum zukommen. Schnell machte sie sich so klein wie möglich, damit man sie vielleicht übersah.

Die Tür sprang auf und Licht flutete in das Zimmer, sodass Kathy im ersten Moment überhaupt nichts erkennen konnte. Doch dann hob sie ruckartig die Hände vor ihre Augen, um die Helligkeit abzuwehren, die ihre Kopfschmerzen ins Unerträgliche steigerte.

„Sieh mal an, sie ist ja wach“, hört sie eine Stimme direkt vor sich.

Sie blinzelte durch ihre Finger und erkannte einen der Männer, an die sie ausgeliefert worden war.

„Lassen sie mich sofort gehen“, forderte Kathy, so energisch, wie sie konnte.

Der Typ vor ihr brach in lautes Lachen aus.

„Ist sie nicht herzallerliebst?“, spottete er, beugte er sich zu ihr runter und schob ihre Hände von ihren Augen.

„Wenn du nicht genau das tust, was wir dir sagen, dann wirst du den nächsten Tag nicht mehr erleben, klar?“, fragte er und hauchte ihr seinen Bieratem ins Gesicht.

Er war jetzt so nah, dass Kathy ihn genau erkannte, und obwohl ihr schlecht war vor Angst, nahm sie ihre ganze Kraft zusammen und boxte ihm mit ihren gefesselten Händen direkt auf die Nase.

So schnell sie konnte, sprang sie auf, kämpfte das Schwindelgefühl nieder und humpelte auf die Tür zu, nur um im nächsten Moment hart auf dem Boden aufzuschlagen.

Der Kumpan ihres Peinigers stand breitbeinig über ihr, während er sie durch eine Reihe verfaulter Zähne angrinste.

„Ganz langsam mein Täubchen, ohne unsere Erlaubnis gehst du nirgendwohin“, bemerkte er, dann gab er ihr eine schallende Ohrfeige.

„Verdammt Manni, wir müssen sie zähmen, sonst bekommen wir nicht halb so viel für sie, wie sie wert ist“, schimpfte der andere Mann, der sich mit blutender Nase wieder hochgerappelt hatte.

Beide standen sie vor ihr und Kathy hatte das Gefühl, etwas ziemlich Dummes getan zu haben.

Noch ehe sie diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, trat der Typ, den sie geschlagen hatte, ihr in den Magen.

Sie krümmte sich zusammen und Schmerz explodierte in ihr. Einen Augenblick glaubte sie sogar ohnmächtig zu werden, aber so einfach wollten ihre Entführer es ihr wohl doch nicht machen.

Manni zerrte sie auf die Beine, dabei sah er sie warnend an.

„Hier kannst du schreien so viel du willst, es wird dir nichts nutzen“, erklärte er ihr fast freundlich.

Er beugte sich hinunter und schnitt die Kabelbinder an ihren Fußgelenken auf, dann sah er sie wieder drohend an.

Kathy sah die beiden still an, aber ihre Augen blitzten zornig auf. Sie würde sich nicht einschüchtern lassen, darin hatte sie genug Erfahrung. Ihr Stiefvater hatte es regelmäßig versucht, besonders schlimm wurde er in betrunkenem Zustand.

Grob zerrte Manni sie aus dem Kellerloch und schob sie die Treppe rauf, während sein Kumpan ihnen fluchend folgte. Insgeheim freute sie sich, dass sie ihm so einen Schlag verpasst hatte, wenn doch nur ihr Magen nicht so fürchterlich brennen würde.

Als sie den oberen Flur, eines offensichtlich ziemlich maroden Einfamilienhauses, erreichten, sah Manni sie prüfend an.

„Wir werden ein hübsches Sümmchen für dich erzielen, dein Vater wird zufrieden mit uns sein“, bemerkte er grinsend.

„Aber zuerst sollten wir die Ware mal testen, wir können den Leuten doch nichts verkaufen, von dem wir nicht selbst überzeugt sind“, bestimmte der andere Entführer.

Erschrocken sah Kathy die beiden Männer an und Angst zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab. Sie hatte keine Erfahrung, was das anging und jetzt wollten ihre Kidnapper sie vergewaltigen?

„Sei doch nicht blöd Karl, ihr Vater hat uns versichert, dass sie noch Jungfrau ist. Was glaubst du, was die Leute auf der Versteigerung für sie zahlen, wenn du diesen Vorteil zerstörst?“, blaffte Manni ihn an.

Vorsichtig wich sie einen Schritt zurück, wer wusste schon, was die beiden als Nächstes vorhatten?

Aber Karl nickte nur leicht, packte sie dann am Arm und zerrte sie mit sich in eins der Zimmer. Hier schubste er sie angewidert von sich.

„Du wirst lernen zu gehorchen, und zwar sehr schnell. Es liegt an dir, wie schmerzhaft es wird“, erklärte Manni ihr.

Kathy zog es vor, nicht darauf zu antworten. Beide Männer traten einen Schritt auf sie zu und sie wich zurück, bis sie mit den Beinen an ein Bett stieß.

Manni schloss die Tür und zog den Schlüssel ab, den er breit grinsend in seine Hosentasche schob.

In dem Zimmer gab es nicht viel, außer einem Bett, einem Stuhl, einem halb zerfallenen Schrank und einem klapprigen Tisch, sah sie noch ein kaputtes Waschbecken. Die Tapeten hingen in Fetzen herunter und anstatt einer Lampe befand sich nur eine Glühbirne an der Decke, die den Raum spärlich beleuchtete. Die Fenster hatte man von außen zugenagelt, damit war dieser Fluchtweg ausgeschlossen.

Karl gab ihr einen leichten Schubs und Kathy fiel auf das Bett, dessen Bezug auch schon bessere Tage gesehen hatte. Einen Moment sah er sie nachdenklich an, dann grinste er breit.

„Wir können bestimmt ein wenig unseren Spaß mit ihr haben, ohne ihren Wert zu mindern“, bemerkte er spöttisch.

„Sag ich doch, wir müssen ihr zumindest die Grundbegriffe beibringen, sonst bringt sie ihr neuer Besitzer noch zurück“, stimmte Manni mit einem widerlichen Lächeln zu.

Mit angstvoll aufgerissenen Augen kroch Kathy auf dem Bett von den Männern weg, bis die Wand sie stoppte.

Manni nestelte schon an seiner Hose herum und öffnete den Reisverschluss, während Karl sich auf die Matratze kniete und nach ihr griff.

Er schnitt ihr die Kabelbinder an den Händen durch, zog ihr die Handgelenke auf den Rücken und hielt sie so fest.

„Wag es nicht zu beißen“, warnte er.

Manni hatte sein bestes Stück hervor geholt und hielt es ihr vor den Mund.

Kathy wusste genau, was dieser ekelhafte Kerl von ihr wollte, aber sie würde den Teufel tun. Auf keinen Fall würde sie ihm einen blasen. Hart biss sie die Zähne aufeinander und schüttelte den Kopf.

„Mach den Mund auf, Schlampe“, forderte ihr Entführer und presste seinen Penis gegen ihre Lippen.

Darauf reagierte sie gar nicht. Sie sah ihn nur ablehnend an.

Leider hatte sie nicht mit Karls Eingreifen gerechnet, denn der packte ihre Handgelenke mit einer Hand und drückte mit der anderen auf ihren Unterkiefer.

Ein stummer Zweikampf entstand, bei dem sie den Kürzeren zog. Die Schmerzen nahmen so überhand, dass sie dachte, ihr Kiefer würde brechen. In dem Augenblick, in dem sie den Mund öffnete, schob Manni auch schon seinen Penis hinein.

Genüsslich stieß er zu und schien sogar das Kratzen ihrer Zähne gut zu finden. Er stöhnte laut auf, dabei bewegte er sich immer heftiger, während Karl ihren Kopf und die Hände festhielt.

Weinend versuchte Kathy sich irgendwie zu befreien, doch Manni stieß tief in ihren Mund. Jedes Mal, wenn er zustieß, würgte sie.

Dummerweise hatte Karl sie auf die Knie gezogen, so dass sie ihre Beine nicht zur Verteidigung einsetzen konnte. Hilflos und gedemütigt musste sie die orale Vergewaltigung über sich ergehen lassen. Hass kochte in ihr hoch, darüber verlor sie ihre Angst.

Egal was kam, keiner der Mistkerle würde ihr noch einmal auf diese Weise zu nahe treten. Ohne weiter zu überlegen, biss sie zu.

Manni schrie auf und zerrte wie wild an seinem Penis, den Kathy mit den Zähnen festhielt. Sie schmeckte Blut, was ebenso widerlich war, besonders von dem Kerl.

„Tu was, sie beißt ihn mir ab“, brüllte er panisch.

Karl schlug ihr ins Gesicht, aber sie presste die Zähne nur noch fester aufeinander. Wieder packte Karl ihren Unterkiefer und drückte zu, bis sie seinen Kumpel freigab.

Vor Schmerz heulend, fiel Manni auf das Bett, nach dem sie ihn endlich losgelassen hatte.

Kathy spuckte das Blut aus und sah die Männer misstrauisch an. Die Angst kehrte zurück, würden die beiden sie jetzt umbringen? Dann verloren sie allerdings sehr viel Geld, das hatte sie aus den Gesprächen schon verstanden.

Während Manni immer noch vor Schmerzen stöhnte und sich vor ihr auf dem Bett wälzte, hieb Karl ihr wieder in den Magen. Er versetzte ihr eine schallende Ohrfeige nach der anderen und verprügelte sie. Dabei achtete er darauf sie möglichst nur dort mit der Faust zu treffen, wo die Kleidung ihre Haut bedeckte. Sichtbare blaue Flecken konnten sie sich nicht leisten, das fiel zu sehr auf. Einmal hatte jemand die Ware zurückgegeben, weil einer Hausangestellten die Verletzungen aufgefallen waren und sie die Polizei rufen wollte.

Wimmernd lag Kathy auf dem Bett, als Karl von ihr abließ. Er stützte seinen Kumpel und half ihm das Zimmer zu verlassen.

Endlich waren die Männer weg und sie konnte ihren Tränen freien Lauf lassen. Es war ja nicht so, dass sie noch nie Schläge einstecken musste, aber im Moment tat ihr einfach alles weh. Ihr Gesicht brannte von den Ohrfeigen und ihr Magen fühlte sich an, als hätte jemand Essig reingeschüttet.

Über der ganzen Situation stand immer noch die Frage, warum tat ihr Stiefvater ihr das an? Wenn er betrunken war, hatte er sie früher oft geschlagen. Auch so waren sie nie wirklich gut miteinander ausgekommen, aber nachdem die Schläge aufhörten, glaubte sie an ein friedliches Zusammenleben.

Erschöpft schloss sie die Augen und hoffte ein weiteres Mal, dass es sich hier nur um einen Albtraum handeln würde. Nur einschlafen konnte sie nicht, dazu hatte sie viel zu starke Schmerzen. Jetzt wo die Männer weg waren, gestand sie sich ihre Angst ein. Die beiden sprachen von einer Versteigerung, aber wer sollte sie kaufen? Und vor allem wo, so weit sie wusste, war Menschenhandel illegal.

Beinahe hätte sie aufgelacht, Entführungen waren auch strafbar und man hatte sie trotzdem entführt. Da ihr Stiefvater in die ganze Sache verstrickt war, konnte es nicht auf eine Lösegeldzahlung hinauslaufen. Sie würde vergewaltigt werden, das wurde ihr erschreckend klar. Denn niemand kaufte eine Frau und ließ sie anschließend in Ruhe.

Hunger und Durst verdrängte Kathy eine Weile, aber dann knurrte ihr Magen vernehmlich und sie hatte einen völlig trockenen Mund.

Ob die beiden wiederkamen? Erneut schnürte ihr die Angst die Kehle zu. Durch die zugenagelten Fenster konnte sie nicht mal erkennen, ob es Tag oder Nacht war, geschweige denn, wie viel Zeit bereits vergangen war. Vielleicht war es besser, wenn man sie hier einfach vergaß.

Kathy dachte über ihr bisheriges Leben nach, leider gab es nicht viele Momente, bei denen sie lächeln konnte. Bisher war ihr Leben nicht unbedingt erfolgreich verlaufen und so wie es aussah, wendete es sich gerade in eine Richtung, die beängstigend war.

Ihre Gedanken drehten sich im Kreis, verzweifelt grübelte sie darüber, was das alles sollte und vor allem, wie sie aus diesem Schlamassel wieder herauskam.

Das Geräusch des Schlüssels im Schloss ließ sie hochfahren. Über den ganzen Sorgen war Kathy eingeschlafen, jetzt war sie hellwach und setze sich auf dem Bett auf.

Angstvoll blickte sie zur Tür, die plötzlich aufgerissen wurde. Licht flutete in den Raum und sie drückte sich dichter an die Wand. Was würde nun auf sie zukommen? Weitere Schläge oder wollten die beiden Männer sie doch vergewaltigen.

Karl betrat das Zimmer, sah sie bösartig an, aber er sagte kein Wort, stellte nur einen Teller mit einer Suppe und eine Flasche Wasser auf den wackeligen Tisch, neben der Tür. Mit einem warnenden Seitenblick auf sie drehte er sich um und verschwand. Kathy sprang auf und ging sofort zu dem Tisch rüber. Ihr Magen knurrte und vor Durst war ihr Mund wie ausgetrocknet.

Schnell nahm sie die Flasche an und trank gierig, doch dann hätte sie beinahe alles wieder ausgespuckt. Das Wasser war salzig. Einen Moment lang atmete sie tief durch, um die Flüssigkeit in sich zu behalten, denn ihr Magen rebellierte. Verzweifelt lief sie zum Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf, aber es tat sich nichts. Tief durchatmend hielt sie sich an der geborstenen Porzellanschüssel fest. Erst als sie sicher war, sich nicht übergeben zu müssen, setzte Kathy sich auf den Stuhl und probierte vorsichtig die Suppe. Sie war lauwarm und schmeckte schrecklich, aber gegen den schlimmsten Hunger half es auf jeden Fall.

Als sie satt war, sah sie noch einmal auf die Flasche, doch dann entschied sie, besser nichts mehr davon zu trinken.

Wieder begann für sie eine endlose Zeit des Wartens. Sie hatte keine Ahnung, wann die Versteigerung sein sollte oder wie lange man sie hier einsperren wollte.

Wie ein Tiger lief sie in dem Zimmer herum, während sie nach einem Ausweg suchte. Die Tür war fest verschlossen und sehr massiv.

Trotzdem versuchte Kathy sie aufzudrücken, warf sich mit der Schulter dagegen, trat gegen das Schloss und probierte sogar mit dem Löffel irgendetwas aufzuhebeln. Doch nichts half, auf diesem Weg würde sie den Raum nur verlassen, wenn jemand die Tür aufschloss.

Genauso untersuchte sie das Fenster, welches von außen zugenagelt war. Mit aller Kraft versuchte sie die einzelnen Bretter aus dem Rahmen zu drücken, aber auch hier war jeder Versuch zum Scheitern verurteilt. Sie brach sich sämtliche Fingernägel ab und zerkratzte sich die Hände, nur einen Fluchtweg fand sie nicht.

Entmutigt und verängstigt setzte Kathy sich auf das Bett, dabei zog sie die Knie an die Brust. Sie machte sich so klein wie möglich und hoffte auf ein Wunder.

Von dem Salzwasser war ihr Mund wieder völlig ausgetrocknet und ihre Kehle brannte. Nur ihr Magen hatte aufgehört zu knurren, wobei auch die Schmerzen einem dumpfen Ziehen gewichen waren.

Es kam ihr vor, als sei sie schon Wochen in diesem Raum, als ihre Peiniger endlich wiederkamen. Fast hätte Kathy aufgeatmet, doch dann sah sie in Mannis Augen.

Wut und Hass zeichneten ihn, während er auf sie zuging. Ehe sie etwas sagen oder tun konnte, schlug er ihr ins Gesicht, so dass sie gegen die Wand hinter ihr geschleudert wurde.

„Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“, giftete er sie an.

Verängstigt wich sie seinem nächsten Schlag aus, aber die Wand ließ ihr keine Möglichkeit. Wieder und wieder schlug Manni zu, er wollte seine Rache dafür, dass sie ihn gebissen hatte.

„Ich werde dir beibringen zu gehorchen“, versprach er ihr wütend.

Mit beiden Händen versuchte sie sich vor ihm zu schützen, doch die Schläge prasselten auf sie nieder. Sie rollte sich wie ein Igel zusammen, während Manni sie mit seinen Fäusten traktierte. Tränen rannen ihr über das Gesicht und sie biss die Zähne aufeinander, um nicht laut zu schreien.

Endlich hatte er genug und ließ von ihr ab.

„Steh auf und zieh dich aus“, herrschte er sie an.

Ungläubig schüttelte Kathy den Kopf. Sie würde sich nicht vor diesem Grobian ausziehen. Wer weiß was ihm dann in den Sinn kommen würde.

„Mach schon, oder soll ich dir helfen?“, befahl er ungeduldig und sah ihr wieder mit diesem hasserfüllten Blick in die Augen.

Zitternd gehorchte sie, weil sie nicht mehr die Kraft hatte, gegen ihn zu gehen. Ihr ganzer Körper schmerzte, jede Bewegung tat ihr weh, aber sie zog sich aus. Was sollte sie auch stattdessen tun?

Nackt stand sie vor ihm. Es war ihr peinlich, seinen Blicken ausgesetzt zu sein, wobei sie genau sehen konnte, dass er gierig auf ihre Brüste starrte.

Mit einem Ruck zog er sie vom Bett. Kathy stützte sich gerade noch am Stuhl ab, sonst wäre sie Manni vor die Füße gefallen.

„So gefällst du mir schon viel besser. Ich glaube wir halten dich ein wenig nackt“, grinste er zufrieden.

Als er einen Schritt auf sie zuging, wich sie zurück, ihre Augen blitzten, aber sie sagte kein Wort. Erst als sie an das Waschbecken stieß, sah sie ihn warnend an.

„Bleib mir einfach vom Leib“, riet sie.

Manni lachte auf, dann zogen sich seine Augen zu Schlitzen zusammen.

„Glaubst du wirklich, du könntest mir Befehle erteilen?“, fragte er gefährlich leise.

Mit einer Hand fasste er ihr zwischen die Beine, dabei sah er sie wieder auf diese ekelhafte Weise an.

„Wie du siehst, tue ich was ich will, Schlampe“, verhöhnte er sie.

In dem Moment fühlte Kathy sich gedemütigt, ausgeliefert und völlig hilflos. Sie hatte keine Chance ihn davon abzuhalten, dass er einen Finger in sie rutschen ließ. Ebenso wenig konnte sie etwas dagegen tun, dass er sie zwang nackt vor ihm zu stehen.

Manni kam wieder einen Schritt näher und sie musste durch den Mund atmen, weil ihr sein schlechter Atem Übelkeit verursachte.

„Na das gefällt dir doch. Gib es endlich zu“, forderte er.

In ihren Augen stand der blanke Hass, was ihn in diesem Moment zurückweichen ließ. Irgendetwas braute sich hier zusammen, das spürte er deutlich. Die Luft vibrierte und er muste regelrecht dagegen ankämpfen nicht einen Schritt zurückzuweichen. Entsetzt zog er die Hand zurück und floh fast aus dem Raum.

Kathy zog sich, so schnell sie konnte an, ehe er es sich anders überlegen würde. Aber er blieb verschwunden.

Es dauerte dieses Mal eine kleine Ewigkeit, ehe sich die Tür wieder öffnete und Karl hereinkam.

Ehe er etwas sagen konnte, blickte sie ihn auch schon bittend an.

„Ich muss mal“, flüsterte sie.

Ohne ein weiteres Wort verließ Karl den Raum und kam kurz darauf mit einem Eimer wieder.

„Das sollte genügen“, teilte er ihr mit und sah sie erneut an.

Still erwiderte sie den Blick, immer in der Hoffnung, dass er sie alleine ließ, denn ihre Blase drückte ziemlich.

Das Gefühl, dass er ihr irgendwas sagen wollte, ließ sie nicht los, aber er zuckte nur mit den Schultern und ging wieder. Einen Augenblick wartete sie noch, dann zog sie den Eimer in eine Ecke und erleichterte sich. Dabei betete sie, dass keiner der beiden Entführer zurückkam. Dieses Mal störte sie niemand und sie atmete auf.

Angeekelt sah sie an sich herunter und schämte sich für ihr Aussehen. Sie hatte weder die Gelegenheit gehabt sich zu kämmen oder die Zähne zu putzen, geschweige denn zu duschen. Ihre Fingernägel hatten Trauerränder und die Haare hingen ihr strähnig ins Gesicht. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so dreckig gefühlt. Ihre Kleider waren schmutzig und sie entdeckte sogar Blutspritzer auf ihrer Jeans, die von Manni stammen mussten. Ihr ehemals weißes T-Shirt war an mehreren Stellen zerrissen und hatte Flecken, wobei es mittlerweile eher grau aussah.

Wieder brachte Karl ihr etwas zu essen und Wasser in einer Flasche. Er sah sie nur stumm an. Hass und Widerwillen standen in seinen wässrigen Augen, trotzdem sprach Kathy ihn an, als er zur Tür zurückging.

„Bitte sag mir, wie lange ich noch hier bleiben muss“, bat sie ihn.

Zuerst dachte sie, dass er ihr gar keine Antwort geben würde, doch dann zuckte er leicht mit den Schultern.

„Das kann ich dir nicht beantworten, es kommt darauf an, wie schnell die Versteigerung auf die Beine gestellt wird. Es sind ja erst drei Tage, so einfach geht das nicht“, antwortete er fast schon freundlich.

Sofort senkte sie den Kopf, auf keinen Fall sollte er denken, dass sie irgendein Interesse an ihm hätte. Drei Tage war sie hier mittlerweile eingesperrt und er konnte ihr nicht mal sagen, wie lange es noch dauerte. Auf der anderen Seite, wer wusste, was nach dieser Versteigerung kam. Bestimmt würde ihr neuer Besitzer sie nicht freilassen, das konnte er ja gar nicht. Schnell schob Kathy diese Gedanken von sich. Auf keinen Fall wollte sie sich verrückt machen, solange sie nicht wusste, wann es überhaupt so weit war. Zumindest nahm sie sich das ganz fest vor.

Karl beobachtete sie einen Moment, dann ließ er sie wieder alleine.

Die Einsamkeit, die Unsicherheit und natürlich das absolute Nichtstun, zermürbten Kathy, dabei wanderten ihre Gedanken immer öfter zu dieser Versteigerung. Angst zerrte an ihren Nerven und mit jedem Tag, der verging, hoffte sie mehr, dass ihre Entführer es sich doch noch überlegten.

„Bitte Karl, rede mit mir“, bat sie, nachdem eine Woche vergangen war.

Da sie mittlerweile einmal am Tag etwas zu essen und zu trinken gebracht bekam, konnte sie die Zeit abschätzen.

Der Mann sah sie desinteressiert an, seit sie seinem Kumpel so in den Schwanz gebissen hatte, verlor er jegliches Interesse an ihr. Auf keinen Fall würde er dieses Risiko eingehen. Manni hatte tagelang Schmerzen gehabt und die Bisswunden hatten sich auch noch entzündet. Also verschwendete er so wenig Zeit, wie möglich mit der kleinen Schlampe. Dabei hoffte er, dass die Versteigerung endlich über die Bühne ging. Im Moment konnten sie die Veranstaltung nicht starten, da dummerweise die Polizei auf der Suche nach zwei Mädchen war, die verkauft werden sollten. Nicht alle waren von ihren Eltern so bereitwillig abgegeben worden, wie dieses Biest.

„Was willst du?“, fragte er grob.

„Sag mir doch bitte, wann ich hier rauskomme“, flehte Kathy.

Sie hielt die Isolation nicht länger aus, alles war besser, als alleine über ihr ungewisses Schicksal zu grübeln. Bittend sah sie den Mann an.

„Das weiß ich nicht und jetzt hör auf zu flennen“, fuhr er sie an.

Die Aufgabe sich um sie zu kümmern, ödete ihn an. Bei den anderen Mädchen gab es zwei, die keine Jungfrauen mehr waren, da tobte er sich gerne aus. Auch wenn sie weinten und jammerten, das peitschte ihn richtig hoch. Bei Kathy waren ihm die Hände gebunden, denn seinen Verdienst würde er nicht aufs Spiel setzen.

„Bitte Karl rede mit mir, ich werde irre hier drinnen“, hielt sie ihn noch einmal zurück.

„Was sollte ich mit einer, wie dir schon groß reden?“, höhnte er, dabei sah er sie mit gierigen Augen an.

„Blas mir einen, dann fällt mir vielleicht ein Thema ein“, bot er ihr schmierig an.

Lüstern leckte er sich über die wulstigen Lippen, der Gedanke sich tief in ihrer Kehle zu versenkten machte ihn geil.

Sofort zuckte Kathy zurück, sie würde sein dreckiges Teil auf keinen Fall in den Mund nehmen. So wie er aussah und stank, musste es noch schlimmer sein, als bei seinem Kumpel. Auch wenn sie im Moment keinen besseren Anblick bot und genauso unangenehm roch, würde sie nicht auf dieses Angebot eingehen.

Immerhin hatte sie keine andere Wahl, denn eine Gelegenheit zum Waschen hatte man ihr nicht zur Verfügung gestellt. Das alte Waschbecken in diesem Zimmer war kaputt, das hatte sie bereits festgestellt. Ihre Gefängniswärter allerdings hatten bestimmt Wasser im Überfluss.

Karl hatte ihren Blick schon richtig gedeutet und zuckte wieder mit den Schultern, dann ging er wortlos aus dem Raum.

Tränen schossen Kathy in die Augen, sie war die Angst und die Einsamkeit so leid. Selbst sterben war besser, als hier in diesem Zimmer zu bleiben. Hunger und Durst waren zu ihren ständigen Begleitern geworden. Mittlerweile zuckte sie nicht mehr zusammen, wenn jemand hereinkam, sie blickte nicht mal auf.

Ihr ehemals glänzendes, schwarzes Haar, war fettig und strähnig. Ihre Zähne hatten einen dicken Belag und sie stank sicherlich, zum Gott erbarmen.

Nach zehn Tagen bat sie Manni um etwas Wasser, um sich zu waschen. Doch er beachtete sie überhaupt nicht. Er tat, als sei sie gar nicht im Raum. Vor Verzweiflung sprang sie auf und hielt ihm am Arm fest. Als er sie ansah, wusste Kathy, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Ehe sie ihn loslassen konnte, hatte er ihr auch schon ins Gesicht geschlagen. Mit einem Stoß schubste er sie zu ihrem Bett zurück und war im nächsten Moment über ihr.

„Glaubst du, ich fand es schön, als sich die Bisswunden entzündet haben?“, fragte er bösartig.

Eine Antwort wartete er gar nicht ab, sondern gab ihr eine heftige Ohrfeige. Mit einer Hand hatte er ihre Hände gepackt, mit der anderen Hand schlug er ihr immer und immer wieder ins Gesicht. Ihre Wangen brannten und als er ihre Nase traf, lief ihr Blut über das Kinn. Aber auch das konnte ihn nicht stoppen. Rasend vor Zorn wollte er ihr Schmerzen zufügen.

Erst als Karl ihn von Kathy wegriss, hörte es auf. Keiner der beiden Männer kümmerte sich weiter um sie. Die Tür fiel krachend ins Schloss und sie vergrub das Gesicht in den Händen. Ihr ganzer Körper wurde vom Weinen geschüttelt, ihr Kopf dröhnte, als hätte jemand mit einem Vorschlaghammer dagegen geschlagen.

Blut lief ihr immer noch aus der Nase, aber auch das war ihr egal. Sie blieb einfach weinend in ihrem Elend liegen. Und wieder kreiste die Frage, nach dem Sinn, in ihrem Kopf. Es gab keine logische Erklärung, allerdings war es auf jeden Fall besser über das Warum nachzudenken, als darüber was nach dieser Versteigerung passierte.

Jetzt kam Manni täglich zu ihr und sie hätte alles dafür gegeben, wenn Karl wenigstens ab und zu seine Stelle einnehmen würde. So wie es aussah, hatte Manni sich vorgenommen, ihr den Biss heimzuzahlen. Sobald er den Raum betrat, sah er sie bösartig lächelnd an, bevor er sie verprügelte. Er schlug sie rücksichtslos ins Gesicht, boxte ihr in den Magen und spuckte sie an, bis sie nur noch zusammengekrümmt vor ihm lag, dann drehte er sich wortlos um und ging.

Es vergingen weitere fünf Tage und mittlerweile wünschte Kathy sich wirklich, einfach zu sterben. Als sie das Essen und das Wasser verweigerte, kam Karl zu ihr.

„Wir können es uns nicht leisten dich verdursten zu lassen, als Jungfrau erwartet dein Stiefvater eine ganze Stange Geld. Glaub mir, die werden wir für dich auch bekommen. Also iss und trink was, sonst flöße ich es dir ein“, drohte er.

Müde hob sie den Blick, konnte es wirklich noch schlimmer kommen? Ihr tat alles weh, ihr Kopf dröhnte und ihr Magen brannte. Sie hatte nicht die Kraft sich vor Manni zu schützen, geschweige denn ihn aufzuhalten.

„Wie willst du das schaffen?“, fragte sie schleppend.

Karl verzichtete auf eine Antwort, stattdessen holte er die Flasche vom Tisch, öffnete sie und kam auf sie zu.

Zusammengesunken lag sie auf dem Bett und hob nicht mal mehr den Kopf. Karl setze sich zu ihr und packte unsanft ihr Kinn. Mit Gewalt zwang er ihren Kiefer auseinander, wie schon einmal, dann schüttete er das Wasser in ihren Mund. Notgedrungen schluckte Kathy, zumal er ihr die Nase zuhielt, wenn sie nicht ersticken wollte, musste sie trinken.

Als sie eine ganze Menge getrunken hatte, ließ er sie los, stellte die Flasche weg und ging zur Tür.

„Glaub mir, zwei Tage vor der Versteigerung, wirst du uns hier nicht wegsterben“, damit verließ er den Raum.

Hoffnungslosigkeit beherrschte Kathys Gedanken. Sie konnte sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne Angst und Schmerzen war. Die Isolation, die täglichen Demütigungen und Schläge brachten sie dazu zu resignieren. Aber noch schlimmer konnte es doch eigentlich gar nicht werden oder?

Manni ließ sich an diesem Tag nicht blicken und darüber war sie unheimlich glücklich. Egal wer ihr neuer Besitzer wurde, so brutal wie Karl und Manni würde er sie hoffentlich nicht behandeln.

Im gleichen Moment dachte Kathy daran, dass man sie bestimmt nicht als Haushaltsgehilfin versteigerte. Ihre Entführer hatten in der Richtung keine Fragen offen gelassen, sie wurde verkauft, um die Sexsklavin eines Mannes zu werden.

Angst schnürte ihr die Kehle zu. Sollte das wirklich alles gewesen sein? Eine Kindheit und Jugend mit Schlägen von einem betrunkenen Stiefvater und dann vergewaltigt von jemandem der sie kaufte?

Viel Liebe hatte es in ihrem Leben nicht gegeben, ihre Mutter stand zu sehr unter dem Einfluss des Ehemanns und ihren leiblichen Vater hatte sie nie kennen gelernt. Als Kind stellte sie sich gerne vor, dass ihr Vater sie rettete. Doch als sie älter wurde, musste sie einsehen, dass es ihn wohl nicht wirklich interessierte, was aus ihr geworden war. Einmal nur hatte sie sich gewagt ihre Mutter nach ihrem Vater zu fragen, aber ehe sie eine Antwort bekam, war ihr Stiefvater in die Küche gestürmt.

Er hatte sie gehört und allein wegen dieser Frage bekam sie die Abreibung ihres Lebens. An diesen Tag erinnerte sie sich nur zu gut, denn damals dachte sie, er würde sie totschlagen. Warum er es dann doch nicht tat, wusste Kathy nicht. Sie hatte unter seinen Schlägen aufgeblickt mit aller Wut und allem Hass, der in ihr war. Dieser Blick hatte ihn gestoppt, so sah es zumindest aus.

Heute war sie sich nicht wirklich sicher, ob sie es geschafft hatte, ihn mit einem Blick in seine Schranken zu weisen. Aber ab diesem Tag wagte er es nicht mehr, sie zu schlagen. Damals war sie gerade fünfzehn Jahre alt gewesen.

Auf der einen Seite wünschte Kathy sich, dass die zwei Tage nie vorbei gehen würden, auf der anderen Seite konnte es nicht schnell genug gehen. Sie musste aus diesem Loch heraus, endlich wieder die Sonne sehen und endlich wieder sauber sein.

Dabei hoffte sie, dass sie zumindest in ihrer neuen Gefangenschaft Wasser zum Waschen zur Verfügung hatte.

Die Zeit blieb natürlich nicht stehen und es kam auch nichts mehr dazwischen. Die Tür flog auf und Manni stand im Türrahmen.

„Wenn du nicht tust, was ich sage, dann wirst du dein blaues Wunder erleben“, drohte er, als er auf sie zukam.

Mit einem Blick voller Verachtung sah Kathy ihm entgegen, denn was konnte er ihr noch antun? Sie weiter verprügeln? Damit würde sich für sie nichts ändern, aber sie wusste, dass er ihrem Stiefvater Rede und Antwort stehen musste, falls er sie nicht für einen guten Preis verkaufte.

Manni stand direkt vor ihr und sah sie erneut warnend an. Einen Augenblick lang kehrte ihr Wille zurück und sie überlegte, ob sie es schaffen konnte zu fliehen, doch da erschien auch Karl in der Tür.

„Jetzt trödel nicht rum, die vier anderen Weiber sind schon weg. Die Kunden wollen nicht länger warten“, rief er seinem Kumpel ungeduldig zu.

Grob packte er sie an ihren Haaren und zog sie vom Bett hoch, dann legte er eine Kette um ihren Hals. Diese Kette sicherte er mit einem Schloss, während Karl ihr eiserne Fußfesseln anlegte, die Manni mit der Kette verband.

So konnte Kathy nur noch langsam laufen und musste aufpassen, dass sie nicht stolperte. Die beiden Männer führten sie durch das Haus in eine Art Wohnzimmer, wo die Kunden saßen und gespannt auf sie warteten.

Fünfzehn Menschen zählte Kathi, während Karl ihre Vorzüge aufzählte. Als er von ihrem langen, schwarzen Haar sprach, hätte sie am liebsten gelacht, denn ihre Haare sahen alles andere als verführerisch aus. Doch dann betonte er ihre Jungfräulichkeit und sie konnte die Geilheit in den Augen der meisten Männer sehen.

Eine Gänsehaut lief ihr über den Körper und es schüttelte sie. Alle Blicke waren auf sie gerichtet, nur ein kleiner, unscheinbarer Mann, tippte auf seinem Blueberry herum, als ob es ihn nicht interessieren würde. Er sah zumindest harmlos aus und Kathy schluckte. Der Mann war der Einzige, der sie nicht voller Gier ansah, aber er wollte sie offensichtlich nicht.

Endlich war Karl damit fertig ihre Vorzüge zu loben und hatte die volle Aufmerksamkeit der Männer vor ihm außer dieser einen Ausnahme.

„Für dieses außerordentliche Geschöpf fangen wir mit einem Anfangspreis von 5000,- Euro an“, rief er in die Menge.

Einige zuckten zusammen und schüttelten leicht den Kopf, somit fiel die Hälfte als potentielle Käufer aus.

Ein Mann sah sie an und grinste breit. Er hatte eine Glatze und schwitzte sehr stark, was bestimmt nicht an den Temperaturen in dem Raum lag. Dieser Typ war einfach nur fett und Kathy begann zu beten, dass er sie nicht bekommen würde.

„Das ist sie mir wert“, rief der Fettwanst und trocknete sich die Stirn mit einem Taschentuch.

Karl grinste breit und nickte ihm zu.

„Meine Herren überlegen sie gut, sie ist noch Jungfrau, völlig unerfahren im Bett. Sie wären der Erste und könnten sie ganz nach ihren Wünschen formen und erziehen“, stachelte er die Käufer an.

„Höre ich 5500,- Euro?“, fragte er laut.

Eisern hielt Kathy den Kopf hoch und starrte stur auf die gegenüberliegende Wand, nur wenn einer der Männer ein Gebot abgab, konnte sie nicht anders, als ihn anzusehen. Das alles war noch demütigender als die Schläge von Manni. Hier vor diesen notgeilen Typen zu stehen und vor Schmutz und Dreck zu stinken, war schon widerlich genug. Allerdings zu wissen, dass am Ende einer von ihnen Hand an sie legen würde, war am Schlimmsten. Bei dem Gedanken drehte sich ihr der Magen um.

Wieder ertönte ein Gebot und sie atmete heimlich auf, dass der Fettwanst überboten wurde, aber dann sah sie den neuen Käufer.

Er hatte strähnige, lange Haare, sein Lächeln entblößte faule Zähne und in seinem Blick lag außer der Gier nach ihr, eine Brutalität, die sie zurückweichen ließ.

Sie sah zwischen dem Dicken und dem langhaarigen Mann Hin und Her, dabei konnte sie sich nicht entscheiden, wer von beiden das größere Übel war.

Für einen ganz kurzen Augenblick erlaubte Kathy sich, die Augen zu schließen. Sie ertrug es nicht mehr und sie wollte auch nicht mehr in diese Menge schauen. Doch dann straffte sie die Schultern und öffnete die Augen wieder.

Jedem Einzelnen schenkte sie einen Blick voller Verachtung, aber kein Laut kam aus ihrem Mund. Was hätte es ihr schon gebracht, wenn sie anfing zu schreien? Weitere Schläge und Schmerzen, nicht mehr und nicht weniger.

Es boten immer mehr Männer mit, sie konnte nicht genau sagen, wie viel Geld sie wert war. Dummerweise überbot der Fettwanst alle anderen, dabei ließ er seinen Blick gierig über ihre Gestalt gleiten. Einmal leckte er sich sogar die wulstigen Lippen. Im letzten Moment unterdrückte Kathy ein Schaudern. Der Gedanken, dass sie diesem Ekelpaket gehören würde, verursachte ihr Übelkeit und Angst gleichzeitig.

Manni schnitt ihr das T-Shirt vorne auf und sah sie noch einmal warnend an. Die Menge jubelte und der Preis schoss in die Höhe. Der Fettwanst konnte den Blick nicht mehr von ihren Brüsten nehmen.

Die Gebote kamen zögernder und es dauerte immer länger, bis noch jemand bot, also zählte Karl das letzte Gebot an.

Der Fettwanst grinste breit und stand schon auf, um die Ware in Empfang zu nehmen, als der unscheinbare, kleine Mann, sein Blackberry ausschaltete und den Blick hob.

„Einhunderttausend“, sagte er leise, doch es klang wie ein Donnerschlag.

Fassungslos sah der Fette ihn an, dann blickte er noch einmal auf Kathy und verließ den Raum.

Schnell zählte Karl erneut an, aber niemand konnte und wollte mit dieser Summe mithalten. Der kleine, stille Mann bekam den Zuschlag und Kathy atmete ein wenig auf. Alle anderen wären schlimmer gewesen, allein weil dieser Typ hier, kaum Interesse an ihr zeigte. Er kam zu Karl und drückte ihm das Geld bar in die Hand, während Manni sie an der Kette zu ihrem neuen Herrn zerrte.

Der Mann sah ihr tief in die Augen, musterte sie kurz, wobei er die zahlreichen blauen Flecken genau sah.

„Versprich, dass du nicht fliehen wirst“, befahl er ihr.

Sie setzte zum Sprechen an, aber bekam keinen Ton heraus. Nach einem tiefen Atemzug versuchte sie es erneut.

„Ich verspreche, dass ich nicht aus dem Raum laufen werde“, krächzte sie.

Das zweideutige Versprechen schien ihm zu genügen, denn er gab Manni den Befehl ihr die Ketten abzunehmen.

„Ich warne sie, ihr kann man nicht trauen“, blockte er ab.

Zu gerne hätte er dem Typen mehr erzählt, aber dieser brachte ihn mit einer energischen Handbewegung zum Schweigen. Etwas, was man dem kleinen, stillen Mann nie zutrauen würde.

„Sollte ich ihre Meinung hören wollen, werde ich danach fragen und jetzt nehmen sie ihr endlich die Kette ab“, befahl er immer noch leise.

Auch wenn er die Stimme nicht gehoben hatte, donnerte dieser Befehl durch den Raum und Manni traute sich nicht, aufzubegehren.

Als Kathy die Kette los war, sah sie den Mann dankbar an. Er erwiderte ihr Lächeln kurz, dann legte er ihr seinen Mantel um die Schultern und brachte sie so aus dem Zimmer.

„Danke“, flüsterte sie ihm zu.

„Du weißt doch noch gar nicht, was auf dich zukommt“, blockte er lächelnd ab.

Darin musste sie ihm leider recht geben, sie konnte sich nur auf ihr Gefühl verlassen und das sagte ihr, dass er mit Abstand das kleinste Übel gewesen war.

Zusammen verließen sie das Haus und gingen ein paar Straßen entlang. Es war bereits dunkel und am Himmel war kein Stern zu sehen. Dankbar zog Kathy sich den Mantel enger um die Schultern und stapfte schweigend neben dem Mann her, bis er auf ein Auto deutete. Ein sehr auffälliger Jaguar stand dort.

„Wow sie müssen ja wirklich viel Geld haben“, brachte sie hervor.

Ihr Begleiter lachte leise.

„Nein, ich besitze nicht so viel Geld und ich habe dich auch nicht für mich ersteigert, sondern im Auftrag meines besten Freundes und Arbeitgebers“, klärte er sie auf.

Enttäuscht zuckte sie zusammen, sie war der Meinung gewesen, dass er sie für sich gekauft hatte. Jetzt kam die Angst erneut hoch, denn wer wusste schon, was auf sie zukam. Vielleicht war sein Freund ja noch abscheulicher, als die ganze Ansammlung von Männern, die Karl und Manni zusammenbekommen hatten.

Wieder lächelte ihr Begleiter nur, als er ihren verängstigten Gesichtsausdruck sah.

„Keine Angst dir wird nichts passieren, dafür bist du zu wertvoll“, versuchte er sie zu beruhigen.

Höflich hielt er ihr die Autotüre auf, aber Kathy dachte gar nicht daran, einzusteigen. Sie gab ihm einen Schubs und rannte in die entgegengesetzte Richtung davon.

Fluchend warf er die Tür zu und jagte hinter ihr her, doch schon eine Straße weiter, hatte er sie verloren. Wütend über sich selbst und erstaunt über die Schnelligkeit des Mädchens, zückte Trausti sein Blackberry, um seinen Herrn darüber zu informieren, dass es eine Weile dauerte.

Wie erwartete war Jón Gabriel Gustavsson nicht gerade erfreut, dass sie ihm entwischt war, aber er wurde auch nicht wirklich zornig.

„Fang sie ein, so kann sie nicht überleben“, antwortete er auf Traustis Bericht ruhig.

Trausti stimmte ihm zu und wollte schon auflegen, als sein Herr ihn noch einmal zurückhielt.

„Und Trausti, beeil dich, nicht dass diese zwei Volltrottel sie wieder in die Finger bekommen. Sie hat genug gelitten“, schob er hinterher.

Lächelnd machte er sich auf die Suche nach seinem entflohenen Schützling.

Unterdessen lief Kathy um ihre Leben. Auf keinen Fall würde sie die Sklavin irgendeines reichen Schnösels werden, der über sie und ihren Körper bestimmen konnte. Ihre Lunge brannte und sie hatte Seitenstechen, doch sie rannte, bis sie keine Luft mehr bekam. Erst dann ließ sie sich an einer Hauswand runterrutschen und sah sich um.

Sie hatte keine Ahnung, wo sie war, wenn sie ehrlich war, hatte sie nicht mal eine Vermutung, in welcher Stadt sie sich befand. Aber wenigstens war sie entkommen.