Der Zerstörer

Bound to kill

Max Oban


ISBN: 978-3-903092-20-4
1. Auflage 2015, Marchtrenk, Österreich
© 2015 Verlag federfrei

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Inhalt

Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit,

prompt, sicher und unbeugsam.

Maximilien François Isidore Robespierre, hingerichtet 1794

 

Es ist schwieriger, eine vorgefasste Meinung

zu zertrümmern als ein Atom.

Albert Einstein

 

»James, ich brauche dich!«

»England auch!«

Dialog zwischen Geheimagentin und James Bond

(Aus ›Der Spion, der mich liebte‹, 1977)

Prolog

Tod in Dubai

Donnerstag, 24. Februar, vor zwei Jahren

 

Als Wahdet Ruqaiba, einer der hochrangigen Hamas-Führer und Waffenhändler, am 24. Februar um fünfzehn Uhr zehn im Grand Hotel Golden Oasis in Dubai eincheckte, hatte er genau noch vier Stunden zu leben. Um siebzehn Uhr fünf betrat der Mann mit dem Decknamen »Jack« die Lobby des Hotels. Eine Golftasche lässig über die Schulter geworfen, schlenderte er am Empfang vorbei, wandte sich nach links und steuerte den Lift an. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, dass alle Angestellten an der Rezeption telefonierten oder in Gespräche mit Hotelgästen verstrickt waren. Gerade als sich die Lifttüren schlossen, kamen drei typische Dubai-Touristen mit Baseballkappen, Rucksack und Einkaufstaschen durch die Drehtür und betraten die Hotellobby. Jack fuhr in den dritten Stock, öffnete mit der präparierten Karte die Türe zu Zimmer 306 und legte die Golftasche ins Badezimmer. Er wusste, dass sich Wahdet Ruqaiba in der City auf einer Shoppingtour befand. Lächelnd streifte er sich die dünnen Handschuhe über. In diesem Moment klopfte jemand im verabredeten Rhythmus leise an die Tür. Die drei Männer mit den Baseballkappen betraten das Zimmer.

»Er ist unterwegs zum Hotel«, sagte der eine, und die vier Männer stellten sich in der Mitte des Raumes im Kreis auf.

»Stephen nimmt das Elektroschockgerät«, befahl Jack. Die Aktion war perfekt geplant, und es bedurfte keiner weiteren Worte. Zwanzig Minuten später vibrierte Jacks Handy.

»Er ist bereits im Aufzug.«

Jack und Stephen platzierten sich neben der Tür und hielten den Atem an. Von draußen waren leise Schritte zu hören. Jack stürzte sich auf den Eintretenden und packte den Mann an den Unterarmen. Panisch trat dieser um sich, doch als ihm Stephen von hinten die Metallzangen des Elektroschockgeräts in den Nacken bohrte, wurden seine Muskeln schlaff. Er stieß einen leisen Schrei aus und fiel in sich zusammen.

»Los!« Die anderen beiden Männer kamen aus dem Badezimmer, legten den Bewusstlosen auf den Rücken und zogen ihm eine Plastiktüte über den Kopf, die sie am Hals verschlossen. Dann hoben sie ihn an Armen und Beinen hoch auf und hievten ihn auf das Bett. Der Mann begann unkontrolliert zu zittern und bäumte sich wild auf. »Los!«, sagte Jack erneut.

Die drei drückten den spastisch bebenden Körper auf das Bett, bis er nach wenigen Sekunden erschlaffte. Nach weiteren zehn Minuten fühlte einer der Männer den Puls des Mannes.

»Weg hier«, keuchte er leise. »Ziel erreicht.«

Zwei Minuten später gingen nacheinander vier harmlose Touristen durch die Hotelhalle, unbemerkt von den Angestellten, gut beobachtet von den zahlreichen Überwachungskameras.

 

New York Daily Chronicle

New York, N.Y.C.

Die Blamage des Israelischen Geheimdienstes

von Harald B. Cohen

Dienstag, 16. März – Auf den ersten Blick erschien es als unglücklicher Tod eines Hotelgastes, auf den zweiten Blick als Auftragsmord. Aber wer ermordete den hochrangigen Hamas-Führer und Waffenhändler Wahdet Ruqaiba? Steckt der Mossad dahinter?

Der israelische Geheimdienst will seine Beteiligung weder dementieren noch bestätigen. Doch Dhahi Khalfan, der Polizeichef des Emirats Dubai, verweist auf ein Dutzend gestochen scharfer Fotos aus den Überwachungskameras im Luxushotel Grand Hotel Golden Oasis. Darauf sind elf Mitglieder des Killerkommandos zu sehen, deren Identität zwischenzeitlich weitgehend geklärt werden konnte. Wie in einem Thriller von Frederick Forsyth betraten die mit falschen Bärten, Sonnenbrillen und Perücken getarnten Killer das Hotel und erwarteten Wahdet Ruqaiba auf Zimmer 306. Zuerst betäubten sie ihr Opfer, danach erstickten sie es und arrangierten den Raum so, dass es zunächst nach einem natürlichen Tod aussah. Der Polizeichef Dubais formulierte vorsichtig, dass sehr wohl der israelische Mossad hinter dem Mordanschlag stecken könnte. Ganz anders sieht Israel es. Nach Meinung eines israelischen Politikers spielte hier der Geheimdienst eines anderen Landes eine Rolle. Die Polizei in Dubai kündigte an, entschlossen gegen jene vorzugehen, die den Frieden in Dubai störten.

Der misslungene Lauschangriff des Mossad in der Schweiz ist nach Meinung westlicher Sicherheitsverantwortlicher ein weiterer Beweis für den Niedergang des legendären israelischen Geheimdienstes. Nicht zum ersten Mal hat der Mossad eine geheimdienstliche Aktion verpatzt, dieses Mal erzwang sie jedoch den Rücktritt des Mossad-Chefs. Israels Medien bewerten ihren legendären Geheimdienst heute kritischer als noch vor wenigen Jahren. Während früher geheimdienstliches Fehlverhalten vom Tisch gewischt wurde, gelangen die aktuellen Pannen ans Licht der Öffentlichkeit.

Eines der spektakulärsten Geständnisse, die je im iranischen Fernsehen gezeigt wurden, kam von einem jungen Iraner mit dem Namen Jamali Teherani, der vor laufender Kamera gestand, im Auftrag Israels und in enger Kooperation mit dem Mossad den Kernphysiker Mahmud Morsawi getötet zu haben, einen Professor an der Teheraner Universität und Spezialist für Isotopentrennung und Neutronentransport. Einen Tag später diskutierte man in Tel Aviv bereits die Absetzung des damaligen Mossad-Chefs.

Dem Mossad werden Ineffizienz, Fehler in der Organisation und berufliches Unvermögen vorgeworfen. Eine Israel-interne Kommission kritisiert das dürftige Niveau der Planung und spricht davon, dass der Mossad nun endgültig in die Jahre gekommen sei und dringend reformiert und reorganisiert gehörte. Ein bekannt gewordener Bericht der Knesset fordert eine bessere Information des Premiers und die Einrichtung eines nationalen Sicherheitsrates nach dem Vorbild der USA, was einer Entmachtung des Mossad gleichkommt. Eine längst überfällige Neuorganisation soll die Arbeitsteilung zwischen dem Mossad, dem militärischen Geheimdienst Aman und dem Inlandsdienst Shin Bet neu ordnen und präzisieren.